Nike und die schwindende Macht der Marken

Marken verlieren in einer Plattform-dominierten E-Commerce-Welt zunehmend an Macht. Das musste selbst der US-Sportartikelriese Nike nun anerkennen. Viele Jahre wehrte sich Nike standhaft, seine Produkte selbst auf Amazon anzubieten und überließ den Verkauf auf dem weltweit führenden Online-Marktplatz mehr oder weniger freiwillig Drittverkäufern. Während andere Sportartikelhersteller wie Adidas und Under Armour die Amazon-Plattform sehr erfolgreich als Direktvertriebskanal nutzten, ließ Nike durch diese starre Haltung im Laufe der Jahre wichtige Marktanteile vor allem bei einer jungen und kaufkräftigen Kundschaft liegen.

Doch die Dinge ändern sich und sind ein weiterer Beweis für die Machtverschiebung zwischen Marken und Amazon. Amazon hat sich in den letzten Jahren zur führenden Produktsuchmaschine entwickelt, wo viele Käufer ihre Online-Recherche beginnen. Für Marken ist es deshalb umso wichtiger, einen professionellen Auftritt vorweisen zu können. Drittverkäufer legen normalerweise wenig Wert auf eine gelungene Präsentation der Marke und scheren sich in vielen Fällen auch wenig um die Preisempfehlungen der Hersteller. Dies führt dazu, dass Marken im Laufe der Zeit die Hoheit über die eigene Marke verlieren, was wiederum weitere negative Folgen mit sich bringt.

Mit der Ankündigung, die eigenen Produkte im Rahmen des Vendors-Modells nun selbst auf Amazon zum Verkauf anzubieten, musste sich Nike eingestehen, hier eine falsche Strategie verfolgt zu haben.Amazon hat eine Reihe von Drittverkäufern bereits aufgefordert, für bestimmte Modelle den Verkauf einzustellen.

Diese Kehrtwende von Nike ist sicherlich ein weiterer Beweis wie sich das Machtverhältnis zwischen Marken und Amazon in den letzten Jahren dramatisch verschoben hat und die Macht der Marken in einer Plattform-dominierten E-Commerce-Welt zusehends schwindet. Für Marken wird es immer wichtiger, direkt oder indirekt auf Amazon präsent zu sein, um zumindest die Inhalte besser steuern zu können. Für Marken ist Amazon längst ein unverzichtbarer Bestandteil im Zusammenhang mit der Markenentwicklung- und pflege geworden.