Amazon kauft Selz

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat Amazon Mitte Januar dieses Jahres still und heimlich die E-Commerce-Plattform Selz gekauft, welche es vor allem kleinen und mittleren Händlern ermöglicht, physische und digitale Produkte über eigene Online-Shops, Facebook, Google und Instagram zu verkaufen.

Selz wurde 2013 in Sydney, Australien, gegründet und konzentrierte sich am Anfang als Paypal-Alternative vor allem auf Payment-Services im Onlinehandel. Ein Schwerpunkt von Selz liegt im Verkauf von digitalen Infoprodukten, ein Bereich welcher seit Aufkommen der Corona-Krise sehr hohe Wachstumsraten erzielen konnte.

Das Geschäftsmodell von Selz weist dabei einige Ähnlichkeiten zu jenem von Shopify aus, weshalb diese Übernahme als ein Versuch von Amazon gedeutet wird, Shopify direkt anzugreifen.

Über die genauen Gründe warum Amazon genau dieses Unternehmen zugekauft hat, kann nur spekuliert werden. Im Vergleich zu Shopify ist Selz sehr klein; ebenso verwundert es, dass ein Gigant wie Amazon nicht selbst ähnliche Software für dieses besondere Zielgruppe entwickelt.

Der Zukauf selbst könnte ein Indiz sein, dass Amazon zunehmend auf der Suche nach weiteren Wachstumsmöglichkeiten auch außerhalb seiner eigenen Plattform sucht. So gibt es Millionen von Amazon-Verkäufern, die über keinen eigenen Webshop verfügen, jedoch auch gerne auf neuen Kanälen wir Facebook, Instagram, Pinterest verkaufen würden.

Hier könnte Selz vor allem als Brücke und Zugang zu diesen neuen Kanälen mit Schwerpunkt Social Commerce und Live Commerce hilfreich sein. Social Commerce und auch Live Commerce sind sicherlich Schwachstellen von Amazon. Diverse Versuche, Social Commerce und Live Commerce auf der eigenen Plattform zu integrieren waren bislang nicht unbedingt sehr erfolgreich. Ein Hauptgrund ist dabei sicherlich jener, dass sich diese neuen „sozialen“ Formate nur sehr bedingt mit der datengetriebenen und auf Skalierbarkeit getrimmten Amazon-E-Commerce-Welt umsetzen lassen.

Eine naheliegende Erklärung dürfte deshalb sein, dass Amazon die rasch steigende Bedeutung von Social Commerce erkannt hat und in der Eile lieber eine bereits vorhandene und funktionierende Lösung zukauft als diese intern von Grund auf selbst zu entwickeln.

Interessant ist aber auch die Tatsache, dass über die Webseite von www.selz.com mit Stand Februar keine neuen Registrierungen für Händler mehr akzeptiert werden. Laut Rick Watson könnte das damit zusammenhängen, das die neuen Shops nur mehr in Verbindung mit Amazon funktionieren könnten.