Das Metaverse – Verkauf und Handel in virtuellen Welten

Der amerikanische Risikokapitalgeber Chris Dixon sagte vor einigen Jahren „The next big thing will start out looking like a toy“.
Seiner Meinung nach ist diese Beobachtung auch der Grund dafür, warum wir Innovationen häufig gar nicht beachten und ernst nehmen, diese sich aber im Nachhinein als Instrumente eines bedeutenden technischen und gesellschaftlichen Wandels erweisen.

Der Begriff „Metaverse“ geht auf den Science-Fiction-Roman „Snow Crash“ von Neal Stephenson aus dem Jahr 1992 zurück.
Das Metaverse kann man sich dabei als vollkommen digitale Welt vorstellen, welche neben der realen Welt existiert und in welcher wir uns als Art Avatare wie in der Wirklichkeit bewegen können, mit anderen Menschen treffen, einkaufen, spielen und unterhalten.
Als eine Art kollektive, dauerhafte, parallele Realität, die durch das Zusammenfügen aller virtuellen Welten zu einem Universum entsteht, das wir nahtlos durchqueren können, die nächste Stufe des Internets und der sozialen Medien.

Der Venture-Capital-Investor Matthew Ball skizziert in seinem sehr lesenswerten Beitrag Anfang 2020 einige Eckpunkte des „Metaverse“.
Ihm zufolge soll das Metaverse sowohl physische als auch virtuelle Welten umfassen, mit einem funktionierenden Wirtschafts- und Entlohnungssystem für geleistete Arbeit.
Die virtuelle Welt Decentraland und die Videospiel-Plattform Roblox geben einen Einblick und Vorgeschmack auf das Metaverse. Mark Zuckerberg sieht die Zukunft von Facebook im Metaverse und dieses sogar als zentral für die weitere Entwicklung und Zukunft des Unternehmens.

Mit Stand heute ist jedoch noch nicht klar, ob das Metaverse schlussendlich eine gewaltige disruptive Innovation wird oder als digitale Utopie endet.
Fakt ist aber, dass bereits jetzt immer mehr Menschen einen großen Teil ihres Lebens in virtuellen Realitäten verbringen, was dazu führt, dass die Wahrnehmung zwischen „real“ und „virtuell“ zunehmend verschwindet und sich bereits jetzt erste virtuelle Handelsmodelle entwickeln.

In Decentraland beispielsweise können sich Menschen als eine Art virtuelle Avatare durch eine virtuelle Welt bewegen. Seit ein paar Monaten können diese Avatare in Decentraland mit eigener Kleidung in Form von Pixelmode bekleidet werden. Dies hat dazu geführt, dass ein Markt für virtuelle Mode und der Beruf des virtuellen Modedesigners in Decentraland entstanden ist.
Noah aus dem dem US-Bundesstaat New Hampshire entwirft und verkauft beispielsweise japanisch inspirierte Kleidungsstücke zu einem Preis von rund 140 Dollar und hat diese virtuelle Tätigkeit nun zu seinem Hauptberuf gemacht nachdem er innerhalb von 3 Wochen ca. 20.000 Dollar damit verdient hat. Echtheit und Eigentum der Kleidungsstücke werden dabei als NFT über eine Blockchain garantiert.

www.decentraland.org

Das digitale Immobilienunternehmen und Immobilieninvestor Republic Realm verwandelt ein kürzlich für knapp 918.000 Dollar erworbenes Grundstück in Decentraland in ein virtuelles Einkaufsviertel namens Metajuku, welches dabei dem japanischen Stadtteil Harajuku nachempfunden ist, der für seine Straßenmode bekannt ist.

Das Unternehmen RTFKT wiederum verkauft Sneaker als NFT in limitierter Auflage, welche dann in einigen virtuellen Welten oder in den sozialen Medien über einen Snapchat-Filter „getragen“ werden.
Diese Sneaker in limitierter Auflage werden dabei in Auktionen für teils 10.000 Dollar verkauft und haben RTFKT innerhalb eines Jahres einen Umsatz von über sieben Millionen Dollar eingebracht.

Virtuelle Währungen, NFTs werden zunehmend als „normal“ empfunden und akzeptiert werden. Und auch Statussymbole wie eine virtuelle Häuser, virtuelle Kleidung und Schmuck könnten für bestimmte Kunden den gleichen Wert und Nutzen bekommen wie reale Güter. Tatsächlich entwickeln Modemarken wie Gucci bereits exklusive rein virtuelle Kollektionen. Luxus für die virtuellen Avatare.

Diese Veränderungen bringen gleichzeitig eine Vielzahl von neuen Möglichkeiten in Form von neuen Geschäftsmodellen, Ertragsmodellen und neuen Verkaufs- und Vertriebsmöglichkeiten, welche die virtuelle mit der realen Welt verschmelzen lassen.

Das Metaverse könnte auch den Handel und die Art und Weise wie wir Güter kaufen und verkaufen radikal verändern. Dieser Beitrag von Retail Prophet beschreibt im Absatz „Retailing in the Metaverse“ einige mögliche Innovationen und Auswirkungen auf den Handel der Zukunft.
Einige sehen die Zukunft des Einzelhandels bereits in virtuellen Welten.
An der Stelle einer statischen Webseite, sollen virtuelle Räume ein intensiveres Erlebnis garantieren.

Auch wenn das Metaverse und der Handel in virtuellen Welten mit Stand heute noch als ein utopisches Konzept aus ferner Zukunft erscheinen, sind sich viele Experten darin einig, dass das Metaverse ein unvermeidlicher Schritt in der Konvergenz von Mensch und Technologie und eine evolutionäre Verschmelzung von Realität und Virtualität ist.

Was leider vergessen und/oder (bewusst) übersehen wird, ist, dass das Metaverse im Buch Snow Crash nicht sonderlich positiv gezeichnet wird.
Im Gegenteil. Das Buch spielt in einer dystopischen Zukunft, in welcher verzweifelte Menschen dazu getrieben werden, aus ihrem realen Leben in eine virtuelle Welt zu fliehen. Nicht weil das Metaverse so schön ist, sondern weil das reale Leben so schlecht ist. Digitale Flüchtlinge.

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