eBay Deutschland startet Online-Stadtmarktplatz

Mit Anfang April hat ebay Deutschland eBay Deine Stadt gestartet, ein Pilotprojekt gemeinsam mit 10 deutschen Städten zur Stärkung des lokalen Handels.

Über dieses Projekt soll es Städten und Kommunen ermöglicht werden, ohne großen Aufwand lokale Online-Marktplätze in Zusammenarbeit mit eBay einzurichten zu betreiben. Käufer können dann die Angebote von Händlern aus ihrer Stadt oder Region finden und kaufen, was wiederum den lokalen stationären Handel stärken soll. (Bsp. Online-Stadtmarktplatz der Stadt Chemnitz)

Screenshot www.ebay-deine-stadt.de/chemnitz

Die Angebote der lokalen Händler sind jedoch nicht nur auf der lokalen Plattform verfügbar, sondern auch dem deutschem eBay-Marktplatz sicht- und kaufbar.

Technisch gesehen stellt eBay Deine Stadt sicher eine interessante Lösung dar, denn interessierte Städte erhalten einen schnell aufsetzbaren und individualisierbaren lokalen Marktplatz, welcher teure Anfangsinvestitionen ersetzt. Zusätzlich bietet eBay interessierten Händler ein sechsmonatiges Durchstarter-Programm. Von der Konzeption entspricht dieser neue Handelsplatz einer transaktionalen Plattform, was bedeutet, dass über diese Plattform Beziehungen zwischen allen Beteiligten aufgebaut, Interaktionen und Transaktionen ermöglicht werden.

So weit so gut, doch hat dieser neue Online-Stadtmarktplatz wirklich das Potenzial erfolgreich zu sein? Wir haben Bedenken. Schon zu oft sind ähnliche Initiativen in der Vergangenheit sang- und klanglos gescheitert. Viele Händler verfügen über kein bis sehr wenig digitales Know-How und auch wenn der Einstieg in den digitalen Handel ziemlich vereinfacht wird, dürften viele Händler trotzdem überfordert sein. Ebenso sind hoher Aufwand für das Listing, fehlenden fehlende Warenwirtschaftssysteme und komplett andere Kundendynamiken im digitalen Handel weitere Gründe welche die Erfolgsaussichten weiter verringern.
Für einige stationäre Händler kann dieses Projekt sicherlich der Start in eine erfolgreiche digitale Handelszukunft sein. Für den größten Teil wird aber auch dieses Projekt leider eine Enttäuschung werden.

Im Rahmen unserer Tätigkeit bedienen wir uns häufig der „job to de done“-Theorie und Theorie der disruptiven Innovation vom leider viel zu früh verstorbenen Harvard Professor Clayton Christensen und auch unter dieser Betrachtung können wir leider keinen klaren Mehrwert bzw. Alleinstellungsmerkmal dieses neuen Online-Stadtmarktplatzmodells erkennen.

Sicherlich wird dieser neue Marktplatz auch ein paar Online-Käufer anziehen, welche im Sinne der Stärkung der Kaufkraft vor Ort gezielt lokal bestellen, doch die breite Masse mit Prime-Abo und Schnäppchen-Instinkt wird weniger sentimental sein und auch durch dieses Angebot nicht richtig zu überzeugen sein. Schade eigentlich, doch für viele eingesessene stationäre Händler wird der Abstecher in den digitalen Handel nur ein kurzer Ausflug bleiben.

Eine guten Überblick über die Entstehung dieses Projektes und die zugrunde liegenden Annahmen gibt es auf der Seite der eCommerce Strategieberatung eStrategy Consulting, welche dieses Projekt beratend begleitet haben.