Livestream-Shopping: Zukunft des Einkaufens oder digitaler Rohrkrepierer?

Die Hoffnungen waren groß als TikTok im letzten Jahr seine Pläne für die Integration der Liveshopping-Funktion in den USA und Teilen Europas präsentierte. Viele sahen darin den möglichen Durchbruch des Livestream-Shoppings auch in den westlichen Konsumländern, nachdem dieses Format vor allem in China in den letzten Jahren große Erfolge feiern konnte und 2022 ca. 500 Mrd. Dollar umsetzen dürfte.

Marken und Influencer sollten über Livestreams die Zuschauer animieren, die in den Streams vorgestellten und direkt anklickbaren Produkte über die App zu kaufen. Wie wichtig dieses Format für TikTok selbst ist, beweist die Tatsache, dass TikTok über Subentionen und Geldanreize Marken und Influencer ermutigte, über die App zu verkaufen.

Ein Jahr später ist von der anfänglichen Begeisterung und Hoffnung nicht mehr übrig. Wie die Financial Times Anfang Juli berichtete, hat TikTok diese Pläne vorläufig wieder ad acta gelegt nachdem diese Funktion nur schwer bei den Verbrauchern Fuß fassen konnte.

So manch einer wird sich fragen, wenn dieses Format schon nicht auf der scheinbar prädestinierten Plattform mit einer idealen digital nativen Zielgruppe Fuß fassen konnte, hat es dann überhaupt eine Zukunft?
Wir sind vom Konzept Livestream-Shopping weiterhin überzeugt.

Vielmehr dürfte das Problem in den westlichen Ländern vor allem darin legen, dass das die Kombination Liveshopping und Social-Media-Plattformen nicht so recht kompatibel ist. Viele Social-Media-Plattformen haben speziell in Europa seit einiger Zeit mit schwindendem Vertrauen von Seiten der Verbraucher zu kämpfen und die Weitergabe von Bezahlinformationen und Erfassung des Kaufverhaltens auf diesen Plattformen wird kritisch betrachtet. Ebenso sind viele Kunden misstrauisch ob sie die bestellt Ware überhaupt erhalten, ob diese original ist oder ob die Qualität passt.

Wir sind überzeugt, dass der Durchbruch für das Konzept Liveshopping weniger über Social Media Plattformen wie Facebook Instagram, TikTko oder Online-Marktplätze wie Amazon oder ebay sondern vielmehr über spezialisierte Unternehmen wir NRWRK, Loupe, Whatnot, OOOOO, ShopShops usw. erfolgten dürfte, welche die Bedürfnisse der Zielgruppe besser verstehen, besser zugeschnittene Konzepte entwickeln können und vor allem den „job to be done“ besser erledigen können.

Nutzer von ShopShops beispielsweise lieben Vintage-, Sammler- und Designerwaren und das Liveshopping-Erlebnis dreht sich dabei weniger um das reine Verkaufen sondern bietet Informationen rund um die besten und einzigartigsten Fundstücke und man trifft sich unter Gleichgesinnten. Das Konzept von ShopShops funktoniert. So beträgt die durchschnittliche tägliche Verweildauer mehr als 30 Minuten pro Nutzer, mehr als die Hälfte der Käufer kauft innerhalb von 30 Tagen erneut bei ShopShops und die durchschnittliche Einkaufsfrequenz liegt bei mehr als 7 Bestellungen pro Monat.

Liveshopping erfüllt andere Anforderungen im Kaufprozess des Kunden. Liveshopping muss unterhalten und informieren zugleich, der Kunde sollte sich unter Gleichgesinnten fühlen. Ein zu starker Fokus auf das Verkaufen wird in der westlichen Gesellschaft mit Skepsis gesehen und löst eine Abwehrreaktion aus. Verkaufen in China ist traditionell „aggressiver“, womit das Format Liveshopping auf eine Zielgruppe trifft, welche hier weniger Blockaden aufweist.