Neue Regeln der EU im internationalen Online-Handel

Die EU verschärft ab Juli die Regeln im internationalen Online-Handel und modernisiert die Umsatzsteuer im Cross-Border-Handel.
Eine wichtige Neuerung ist dabei das Wegfallen der bisherigen Freigrenze in Höhe von 22 Euro für Direktimporte (VAT de-minimis), wodurch in Zukunft auf diese Importe eine Einfuhrumsatzsteuer erhoben wird, deren Höhe wiederum abhängig vom jeweiligen EU-Staat ist (Italien 22%, Deutschland 19%). Die Zollbefreiung für Produkte unter 150 EUR gilt jedoch weiterhin. Zusätzlich müssen die Händler künftig für alle Sendungen unabhängig vom Wert eine Zollerklärung ausfüllen, was auf der einen Seite für die Händler einen erheblichen Mehraufwand bedeutet, auf der anderen Seite die Zollkontrollen aber vereinfacht. Tatsächlich könnte dieser Mehraufwand ein wesentlicher Grund sein, dass die Import zurückgehen könnten.

Treffen wird diese Neuerung dabei vor allem Einkäufe auf Handelsplattformen aus Asien und das Dropshipping-Geschäftsmodell europäischer Händler. Der bürokratische Mehraufwand könnte aber dazu führen, dass ausländische Händler verstärkt containerweise Produkte importieren und diese Lager in der EU an die Kunden weiterverkaufen.

Für ausländische Händler soll es möglich sein, über das IOSS-Portal (Import One-Stop Shop) die Mehrwertsteuer am Verkaufsort an EU-Kunden zu berechnen und an abzuführen. Diese Waren kommen dann bei der Einfuhr in den Genuss einer Mehrwertsteuerbefreiung, was eine schnelle Freigabe beim Zoll ermöglicht. Diese bereits erfassen Warenlieferungen werden vom Zoll durchgewunken, sofern der deklarierte Wert 150 Euro nicht übersteigt.

Wo das IOSS nicht genutzt wird, wird ein zweiter Vereinfachungsmechanismus für Importe zur Verfügung stehen. Die Einfuhrumsatzsteuer wird vom Kunden durch den Zollanmelder (z. B. Postunternehmen, Kurierdienst, Zollagenten) eingezogen, der sie über eine monatliche Zahlung an die Zollbehörden abführt. Dabei fallen jedoch zusätzliche Kosten in der Form der so genannten Auslagepauschale an, welche abhängig von EU-Land von 6 € in Deutschland bis 10 € in Italien und 15 € in Frankreich erreichen kann.

Das IOSS erleichtert somit auch den Prozess für den Käufer, der nur zum Zeitpunkt des Kaufs belastet wird und daher keine überraschenden Gebühren bei der Lieferung der Waren zu erwarten hat. Wenn der Verkäufer nicht im IOSS registriert ist, muss der Käufer hingegen die Mehrwertsteuer und in der Regel eine vom Transporteur erhobene Zollabfertigungsgebühr bezahlen.

Die EU-Kommission erwartet von diesem Maßnahmen einen zunehmend fairen Wettbewerb zwischen europäischen und ausländischen E-Commerce-Händler und erwartet sich gleichzeitig Steuermehreinnahmen in Höhe von 7 Mrd. Euro pro Jahr.

Eine weitere Neuerung ist die so genannte Marktüberwachungsverordnung, welche mit 16. Juli 2021 in Kraft tritt.
Im wesentlichen verpflichtet diese, im Zuge des Vertriebs von Produkten aus einem europäischen Drittstaat in der EU einen Wirtschaftsakteur zu benennen, welcher für die zuständigen Marktüberwachungsbehörden greifbar ist.
Sollte diese nicht erfolgen, haftet der Händler bzw. der Marktplatz über welchen die Produkte verkauft werden (Bsp. Amazon).

Es gibt hier aber bereits einige Dienstleister, welche anbieten, diesen Service zu übernehmen. Auch Amazon bietet allen interessierten Händlern für 25 Euro pro Monat bereits an, sich als verantwortliche Person zu identifizieren (Amazon als verantwortliche Person („AVP).
Allzuviele ausländische Händler dürfte diese neue Verordnung somit nicht abschrecken.

Was bedeuten diese Neuerungen für europäische Marken, Händler und Konsumenten?
Für europäische Händler bedeutet dies, dass das klassische Dropshipping-Geschäftsmodell überholt ist. Europäische Händler welche dieses Vertriebsmodell weiterhin betreiben, müssen sich bei Nichteinhaltung der Regeln der Marktplatzüberwachung auf ein erhebliches Risiko einstellen.
Online-Marktplätze wie Amazon haben bereits angefangen, umfangreiche Dokumentationen von den Händler anzufordern. Eine ausführliche Analyse der Auswirkungen auf das Dropshipping-Geschäftsmodell und weitere Möglichkeiten gibt es hier (Link).

Für europäische Konsumenten wiederum bedeutet dies, dass der der Kauf über Portale wie Aliexpress oder Wish in den meisten Fällen aufgrund der höheren Kosten und Mehraufwand nicht mehr interessant sein dürfte.

Die tatsächlichen Auswirkungen sind aber abzuwarten. Chinesische Händler sind für ihre „Kreativität“ und Pragmatismus bekannt, weshalb noch einige Überraschungen folgen werden.

Weiterführende Infos: