Warum Shopify für Amazon gefährlich werden könnte

Die Ankündigung von Shopify, in den USA demnächst Fulfilment-Center zu eröffnen und den Händlern die entsprechenden Leistungen anbzubieten hat im E-Commerce große Wellen geschlagen.

Shopify sieht sich selbst als das „weltweit erste globale Handels-Betriebssystem“.
Das Unternehmen selbst wurde 2004 unter dem Namen Snowdevil von dem aus Deutschland ausgewanderten Tobias Lütke gemeinsam mit Freunden gegründet. 2006 wurde das Unternehmen in Shopify umbenannt, wobei im gleichem Jahr die gleichnamige Plattform online ging. Im Mai 2015 erfolgte der Börsengang von Shopify.

Shopify sieht sich selbst als Plattform, welche dem eigenen Verständnis nach vor allem die auf der Plattform vorhandenen Partner wie Shopbetreiber, App-Entwickler, Theme-Entwickler, Logistiker usw. erfolgreich machen will. Shopify COO Harley Finkelstein definierte dies im Rahmen der Shopify Unite als „Partner Economy“.

You’ve often heard me say that we at Shopify want to create more value for your partners than we capture for ourselves, and I find the best way to demonstrate this is by looking at what I call the “Partner Economy”. The “Partner Economy” is the amount of revenue that flows to all of you our partners…in 2018 Shopify made about a billion dollars [Editor: in revenue]. We estimate that you, our partners, made more than $1.2 billion.

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Genau diese „Partner Economy“ ist es auch was Shopify fundamental von Amazon unterscheidet. Der sehr lesenswerte Artikel „Shopify and the Power of Platforms“ von Ben Thompson gibt ein paar gute Einblicke in die verschiedenen Strategien und Ausrichtungen von Shopify und Amazon. Während Amazon als Aggregator agiert, ist Shopify eine Plattform.
Der wichtigste Unterschied zwischen Plattformen und Aggregatoren ist dabei, dass Plattformen eine Beziehung zwischen Drittanbietern und Endbenutzern erleichtern; Aggregatoren hingegen vermitteln und kontrollieren diese Beziehung.

Der Fokus von Shopify liegt vor allem auf kleine und mittlere Händler und Marken. Speziell bei D2C-Marken hat Shopify in den letzten Jahren rasant an Beliebtheit gewonnen.
Bekannt geworden ist Shopify in den letzten Jahren vor allem als Online-Shop-System für Dropshipping-Unternehmer für den Verkauf von chinesischen Produkten in den westlichen Ländern.

Shopify ist dabei durchaus ein weiteres Beispiel für „disruption from the low end“, einer Theorie von Clayton Christensen in seinem Buch „The Innovators Dilemma“. Ein direkter Angriff auf etablierte Shopsysteme wie Magento, Woocommerce oder Onlnine-Marktplätze wie Amazon oder ebay wäre mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit erfolglos geworden.
Durch den Fokus auf Händler im Bereich Dropshipping ist es gelungen, eine treue, loyale und vor allem stark wachsende Händlergemeinde aufzubauen.
Das im Rahmen der letzten Shopify Unite demonstrierte Selbstbewusstsein dürfte der logische Schritt sein, sich langsam aber sicher auf Augenhöhe mit etablierten und (noch) viel größeren Anbietern zu befinden.

Das Momentum ist derzeit auf alle Fälle auf der Seite von Shopify.
Eine kurze Analyse der Entwicklung der Häufigkeit der Suchbegriffe über Google Trends zeigt mehr als deutlich wie Shopify besonders in den letzten Jahren weltweit stark an Relevanz gewonnen hat und einige etablierte Shopsysteme hinter sich lassen konnte.