Warum Omnichannel-Strategien für stationäre Händler wenig Erfolg haben

Der folgende Beitrag von Alexander Graf auf kassenzone.de gibt ein paar kritische Einblicke auf ein Projekt in Mönchengladbach, mit welchem sich stationäre Händler über eine gemeinsame Präsenz auf ebay etwas vom rasant wachsenden Online-Kuchen abschneiden wollten, um die offline-Verluste aufzufangen.

Ein lesenswerter Beitrag, welcher zeigt, dass Omnichannel-Strategien wenig geeignet sind, um Marktanteile von Amazon & Co. zurückzugewinnen und warum man vermeintliche Erfolgsmeldungen immer auch kritisch betrachten sollte.

Weiterführende Links:

Wish – der Hidden Champion des M-Commerce

Wish ist eine mobile und webbasierte E-Commerce-Plattform, welche 2011 von Peter Szulczewski (CEO) und Danny Zhang (CTO), zwei ehemaligen Programmierern bei Google und Yahoo, gegründet wurde.
Was viele nicht wissen, ist, dass Wish inzwischen das sechstgrößte E-Commerce-Unternehmen der Welt ist, wobei 3 Millionen Pakete pro Tag über diese Plattform bestellt werden.  Über Wish kann dabei sowohl im Web als über mobile Apps bestellt werden, wobei die überwiegend meisten Käufe mobil getätigt werden. Wish konzentriert sein Geschäftsmodell dabei vor allem auf junge und preissensible Shopper, wobei sich unter den Angeboten vor allem Artikel aus den Bereichen wie Lifestyle, Mode und Technik befinden. Wish fungiert dabei als reiner Marktplatz. Dies bedeutet stark vereinfacht, dass das Unternehmen keine eigene Ware verkauft, sondern die eigene Plattform anderen Händler zur Verfügung stellt. Die Qualität der Produkte ist dabei meistens nicht sehr hoch, was eine wachsende Anhängerschaft jedoch nicht davon abhält, die Seite und besonders die App sehr intensiv zu nutzen.

Bei Wish kommen dabei Prozesse aus der Online-Vermarktung zu Anwendung.  Wish bringt die Anbieter durch ausgeklügelte Preismechanismen dazu, auf Preise zu bieten, um damit den Nutzern die günstigsten Artikel anbieten zu  können. Einem Zitat von von Peter Szulczewski zufolge will Wish das „Google Adwords für Händler“ werden.

Das Design von Wish erinnert an Pinterest und Instagram.  Der Großteil der Produkte welche auf Wish angeboten werden, stammt dabei aus China, wobei das Vertriebsmodell als M2C (Manufacturer to consumer) beschrieben werden kann, da die meisten Anbieter auf Wish die selbst Produzenten der Artikel sind. Die Lieferung erfolgt direkt aus China. Lange Lieferzeiten, schwierige Rückgabe und teils fragwürdige Qualität der Produkte sind oft die Folge.
Das interessante an Wish ist, dass diese Plattform den Kaufprozess nochmals verändert. Bei Amazon weiß der Kunden bereits vorab, welches Produkt er kaufen will, geht mit einer bereits definierten Kaufabsicht auf die Plattform und sucht das entsprechende Produkt. Wish hingegen ist durch eine tiefe Integration von sozialen Netzwerken sehr gut darin, die Interessen des Kunden herausfinden und zeigt die entsprechenden Produkte auf dem Smartphone an. Die daraus resultierenden Käufe sind Impulskäufen zuzuordnen und weniger einer vorab zugrunde liegenden konkreten Kaufabsicht.

Auch wenn Wish für viele Konsumenten nicht interessant ist, so scheint diese Plattform ihre Fans gefunden zu haben. Mobil stellt Wish zunehmend eine Bedrohung für E-Commerce Giganten wie Amazon dar. Einem Bericht von Business Insider zufolge versuchten Amazon und Alibaba bereits 2015 Wish zu kaufen.
Besonders eine kaufwütige und junge Käuferschaft denen faire Produktionsbedingungen und Nachhaltigkeit egal sind, bescheren der Plattform ein enormes Wachstum. Für Käufer mit Anspruch auf Qualität ist diese Plattform weniger zu empfehlen.

www.wish.com

Instagram Shopping startet in Deutschland

Wie Internet World vor ein paar Tagen berichtete, startet Instagram Shopping nun auch in Deutschland und in weiteren Ländern wie Australien, Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Italien und Spanien. In den USA war dieses Feature bereits seit 2017 verfügbar.
Diese neue Funktion kann dabei von allen Unternehmen benutzt werden, die über ein Business-Profil auf Instagram verfügen und dieses mit einem Facebook-Shop oder einem oder einem Produktkatalog verknüpft haben.

Wie Internet World weiters berichtet, startet auch Konkurrent Pinterest mit „Shop the Look“ eine Shopping-Funktion in Deutschland.

Amazon startet eigenen Paketdienst

Worüber schon lange spekuliert wurde, wird nun Wirklichkeit. Wie das Wall Street Journal berichtet, startet Amazon mit der Bezeichnung SWA (Shipping with Amazon) seinen eigenen Paketdienst und lässt die Aktienkurse etablierter Anbieter innerhalb kurzer Zeit um mehrere Prozent abstürzen.

Der Start ist vorerst regional begrenzt in Los Angeles und vorerst nur für Amazon-Marktplatzhändler geplant. Man kann jedoch davon ausgehen, dass der Service in naher Zukunft regional ausgeweitet wird und auch für externe Unternehmen geöffnet wird.
Amazon versucht mit diesem Schritt, sich mittel- und langfristig von den etablierten Paketdienstleistern unabhängig zu machen. Wie t3n schreibt, dürfte die Entscheidung, eigene Logistikstrukturen aufzubauen, weniger aus der Überlegung heraus resultieren, „die nächste Branche aufzumischen“, sondern vielmehr dürfte Amazon befürchten, dass, der Kunde unter der Überlastung der Zusteller leiden wird.

Zwar hat Amazon mit Amazon Flex in den letzten Jahren in den USA und Deutschland bereits eine interne Lösung für die Lieferung der letzten Meile gestartet, doch geht diese Ankündigung wesentlich weiter und lässt mit SWA einen vollwertigen neuen Konkurrenten von Anbieter wie UPS, FedEx und DHL enstehen.

Besonders interessant dürfte SWA dabei für Händler sein, die eigene Warenlager betreiben. Im Rahmen des neuen Services holt SWA die Pakete beim Händler ab und liefert diese an die Kunden. Händler können diese Produkte dadurch mit dem Prime-Label anbieten, welches sich erfahrungsgemäß sehr stark auf die Umsätze auswirkt.
Ein weiterer Vorteil dürfte jener sein, dass Amazon mit dem Lieferservice die eigenen Logistikzentren entlastet.

Laut WSJ plant Amazon, die Preise der Konkurrenten zu unterbieten, wobei die genaue Preisstruktur jedoch noch unklar ist.

Die Ankündigung von Amazon kommt dabei genau zu einem Zeitpunkt, in dem etablierte Anbieter zunehmend unter der Paketflut stöhnen und bereits an Extragebühren für die Haustürzustellung nachdenken. Dass sich die Logistikbranche mit diesen Überlegungen selbst ins Abseits stellt, fasst dieser Artikel von t3n sehr gut zusammen. Zu dem Artikel der WSJ gab es bislang jedoch keine offizielle Stellungnahme und Bestätigung von Amazon selbst.

Weltweit verkaufen über Amazon Global Store

Amazon Global Store gibt es eigentlich bereits seit 2014 und war ursprünglich eine Innovation speziell für den chinesischen Markt. Die Idee dahinter ist, dass chinesische Kunden auf der chinesischen Seite von Amazon internationale Markenprodukte direkt aus den Herstellerländern bestellen.  War das Angebot zunächst auf Produkte von Amazon.com beschränkt, wurde es 2016 mit dem Zugang zu Amazon.co.uk und Amazon.co.jp erweitert.

Die Bestellung erfolgt dabei über das gleiche Amazon-Konto, welches der chinesische Kunde gewöhnlich für seine Bestellungen auf Amazon benutzt. Der Kundenservice ist in China ansässig. Bei den Preisen ist die jeweilige  Mehrwertsteuer bereits rausgerechnet, die Einfuhrgebühr kommt automatisch hinzu. Die Lieferung erfolgt direkt aus den jeweiligen europäischen Amazon Logistikzentren, für Prime-Kunden innerhalb von fünf bis neun Arbeitstagen in 82 Städte überall in China.

Ende 2016 startete Amazon das Global Store Programm auch für Amazon Indien (Link), wobei Kunden aus Indien Zugriff auf Millionen von Produkte auf amazon.com (USA) bekommen.
Mit einer Pressemitteilung vom 23. Oktober 2017 hat Amazon angekündigt, dass chinesische Kunden über das Global Store Programm nun auch Zugriff auf 400.000 Produkte vom deutschen Marktplatz haben.

Seit Dezember 2017 haben Nutzer des größten arabischen Online-Markplatzes Souq  über den Amazon Global Store Zugriff auf über eine Million Artikel von Amazon.com. Die Produkte sind dabei derzeit vorwiegend aus den beliebten Kategorien wie Handtaschen, Schuhe, Uhren, Küche, Home und noch einige mehr. Die Abwicklung erfolgt dabei wie gewohnt über das eigene Kunden-Konto von Souq. Kundensupport erfolgt in arabisch oder Englisch, Zollabwicklung durch Amazon und Lieferung in 2-5 oder 6-10 Tage. Souq wurde im März 2017 von Amazon übernommen.

Amazon Global Store kann für Marken, Produzenten und Händler eine sehr interessante und effiziente Methode sein, neue Kunden außerhalb der eigenen Marktplätze zu erreichen und Komplexitäten im Bereich Zoll zu umgehen.